Forschungsprojekte

Laufende Projekte:


Partizipation und Repräsentation. Eine vergleichende Studie von Verknüpfungsmechanismen zwischen Bürgern und politischem System in gegenwärtigen Demokratien (PartiRep-2)

Demokratisches Regieren („Governance“) erfordert Mechanismen und Akteure, welche die Bürger mit dem Staat vernetzen. Bürger sollten in der Lage sein ihren Forderungen, mit denen politische Ergebnisse kongruent sein müssen, Ausdruck zu verleihen. Es ist genau die Art und Weise, wie die gewünschte Übereinstimmung von den Präferenzen der Bürger und der staatlichen Politik erreicht werden kann, welche in Diskussionen über das Funktionieren der Demokratie im heutigen Europa Besorgnis hervorrufen. Traditionelle Formen der Partizipation und traditionelle parteiliche Rahmen verleihen dem demokratischen Austausch Bedeutung, scheinen jedoch unter Druck geraten zu sein. Sowohl die institutionelle Umgebung als auch die gesellschaftlichen Normen und Werte, nach denen politische Akteure ihre Entscheidungen treffen, haben sich weiterentwickelt. Der demokratische Dialog wurde komplexer und fragmentierter. Verändernde Formen von Partizipation und Repräsentation bildeten bereits das Thema, auf welche sich das PartiRep Netzwerk im Verlauf der letzten fünf Jahre (2007 – 2011) fokussiert hat. Wie in der ersten Phase ist PartiRep-2 ein großflächiges und gemeinschaftliches Projekt, welches 2012 für fünf Jahre vom Belgian Science Policy Office (Belspo) initiiert und finanziert wurde. Alle belgischen Fakultäten der politischen Wissenschaft nehmen an diesem Projekt teil, wobei die Universität von Leiden und das MZES als Partner mitarbeiten. Das Netzwerk hat verschiedene Projekte über die Formen von politischer Partizipation, politischem Vertrauen, politischem Protest, politischen Parteien, politischer Deliberation und politischer Repräsentation ins Leben gerufen. Startpunkt war die Annahme, dass die Entwicklung von Partizipation und Repräsentation als Rückgang zu analysieren und erklären wäre und daher der Druck auf ein gutes und legitimiertes Funktionieren der Demokratie steigt. Die Forschungsergebnisse haben aber gezeigt, dass diese Sichtweise des „Rückgangs“ zumindest sehr unvollständig und wahrscheinlich ziemlich verzerrt ist. Die Forschung suggeriert eine Varietät von Strategien, welche Bürger als auch Politiker für sich annehmen können um sich dem verändernden Kontext von Partizipation und Repräsentation anzupassen.

Datenart: Bürgerbefragungen, Befragungen von Abgeordneten, Inhaltsanalysen
Geographischer Raum: Europa

Projektleiter: Jan van Deth
Mitarbeiter: Thomas Bräuninger, Thomas Däubler, Marc Debus, Thorsten Faas, Nathalie Giger, Rüdiger Schmitt-Beck
Finanzierung: Belgian Science Policy Office/Uni Mannheim
Laufzeit: 2012 bis 2017
Status: laufend

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Reformagenden und innerparteiliche Programmpositionierung

Das Projekt analysiert den Einfluss von exogenem Reformdruck auf die programmatische Positionierung von Wählern und Parteien einerseits und auf den policy output von Regierungen andererseits. Im ersten Schritt wird untersucht, wie neue Themen auf die mediale und politische Agenda gelangen und inwiefern die Parteien ihr programmatisches Profil aufgrund der neu aufgekommenen Issues und deren Relevanz in der Wählerschaft verändern. In der zweiten Stufe widmet sich das Projekt der Frage, inwiefern durch Reformdruck ausgelöster programmatischer Wandel zu Veränderungen des Status quo führt.
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Projektleiter: Thomas Bräuninger, Marc Debus
Mitarbeiter: Markus Baumann, Matthias Haber
Finanzierung: DFG, SFB 884
Laufzeit: 2010 bis 2017
Status: laufend

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Räumliche Modelle der Parteienkonkurrenz angewandt auf Bundestagswahlen

Ziel des Projekts ist die Konstruktion von gemeinsamen Politikräumen für Wähler und Parteien bei deutschen Bundestagswahlen, um aus der so dargestellten Nachfrage der Wähler im Vergleich zum Parteiangebot Bedingungen für die Entwicklung des deutschen Parteiensystems abzuleiten. Die Politikräume werden auf Basis der Wählerwahrnehmungen der Parteipositionen sowie der Wählerpräferenzen bzw. Selbsteinstufung bei aktuellen Sachpoltiken (issues) und auf der Links-Rechts-Skala gebildet. Ein solcher Politikraum hat Relevanz für die Wähler, wenn man mit Hilfe der Distanzen zwischen Idealpunkt und Parteipositionen die Wahlentscheidung voraussagen kann. Er hat Relevanz für die Parteien, wenn in der Wählerschaft Konsens über eine realitätsgerechte Parteiplatzierung in diesem Raum besteht, was den Parteien erst die Möglichkeit einer sinnvollen Kommunikation mit der Wählerschaft eröffnet. Diese doppelte Relevanz kann durch ein Skalierungsverfahren von Aldrich und McKelvey hergestellt werden. Dessen Schwächen bei der Bestimmung der Streuung der Wahrnehmungen um die Erwartungswerte sollen mit Hilfe Bayesianischer Verfahren behoben werden (Bräuninger und Giger 2011). Die Untersuchung wertet Bundestagswahlstudien im Zeitraum von 1980 bis 2009 aus. Voruntersuchungen zeigen (Pappi, im Druck), dass die Links-Rechts-Einstufungen der Parteien relativ stabil über die Zeit sind; strategischen Bewegungsspielraum haben die Parteien hingegen bei neuen Sachfragen, die allerdings den Eintritt neuer Parteien mit einer "issue ownership" für ein dringendes Problem in das Parteiensystem wahrscheinlicher machen. Zu den Bedingungen des Parteiensystemsauf der Angebotsseite der Parteien gehören damit sowohl sachpolitische Politikangebote als auch Valenz- oder Kompetenzunterschiede zwischen den Parteien. Für die einzelnen Bundestagswahlen werden deshalb die zu erwartenden Parteipositionierungen der Bundestagsparteien nach dem Valenzmodell von Schofield als lokale Nash-Gleichgewichte vorausgesagt und mit den tatsächlich eingenommenen Positionen verglichen. In einem weiteren Schritt wird das Gleichgewichtsmodell benutzt, um die Dynamik des Parteienwettbewerbs im Zeitverlauf in den Blick zu nehmen. Das Ziel ist hier, die Repositionierungen der Parteien im Längsschnitt als dynamische Gleichgewichte zu verstehen, um somit die Entwicklung des deutschen Parteiensystems aus der Wählernachfrage und dem Angebot der Parteien an Sachpolitik und Kompetenz erklären zu können.

Datenart: Deutsche Bundestagswahlstudien seit 1980
Geographischer Raum: Deutschland

Projektleiter: Franz Urban Pappi, Thomas Bräuninger
Mitarbeiter: Anna-Sophie Kurella
Finanzierung: DFG
Laufzeit: 2012 bis 2016
Status: laufend

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Geplante Projekte:





Beendete Projekte:


Wahlsystemanreize und legislatives Verhalten

Während es umfangreiche Forschung über die Erfolgsfaktoren von Gesetzesinitiativen in parlamentarischen Systemen gibt, ist in diesen Systemen wenig über die Strategien von einzelnen Abgeordneten im legislativen Prozess bekannt, etwa über die Beweggründe einzelner Abgeordneter Initiativen zu einem bestimmten Thema einzubringen. In der Literatur zum Wahlverhalten und der Literatur zum legislativen Verhalten gibt es eine deutliche Diskrepanz: Während Wahlverhalten mit einer Vielzahl von Faktoren erklärt wird, insbesondere mit Eigenschaften von Kandidaten, von Parteien und von Themen, wird beim legislativen Verhalten von (nach Wählerstimmen strebenden) Abgeordneten zumeist allein vom Erklärungsfaktor „Partei" ausgegangen. Zweifelsohne spielt Parteidisziplin eine zentrale Rolle in parlamentarischen Demokratien und lässt wenig Spielraum für den einzelnen Abgeordneten eigene Politikinhalte zu verfolgen und/oder Wahlkreisinteressen zu vertreten. Nichtsdestotrotz gibt es neben Parteien auch noch andere motivierende und beschränkende Faktoren für Abgeordnete. Um das legislative Verhalten individueller Abgeordneter zu verstehen, müssen auch die Verbindungen zu ihren Wahlkreisen und ihren Kollegen im Parlament betrachtet werden. Unser Forschungsprojekt nimmt die Verbindung zwischen legislativer und elektoraler Arena in den Blick: Wahlsysteme und Wahlverhalten bieten unterschiedliche Anreize für einzelne Abgeordnete legislatives Verhalten zur Erhöhung ihrer Wiederwahlchancen einzusetzen. Gesetzesinitiativen aber auch andere Aktivitäten wie parlamentarische Anfragen könnten folglich direkt an die Wählerschaft gerichtet sein. Es wird erwartet, dass Art und Ausmaß der elektoralen Anreize die Anzahl und den Inhalt von Gesetzesinitiativen bzw. Anfragen, die ein Abgeordneter einbringt, beeinflussen. Ein zweiter Aspekt soll in dem Projekt Beachtung finden: Nicht immer der Parteilinie zu folgen, bedeutet nicht gleichsam isoliert zu agieren. Abgeordnete können in ihrem legislativen Verhalten mit Kollegen ihrer eigenen Partei oder anderer Parteien zusammenarbeiten. Insbesondere die legislative Aktivität der Einbringung von Gesetzesinitiativen beinhaltet Informationen zu beiden aufgeworfenen Aspekten: zum einen zu individuellen legislativen Aktivitäten, die möglicherweise im Zusammenhang mit dem Wahlkreis stehen und zugleich zu Verbindungen mit anderen Abgeordneten, die die Initiative unterstützen. Es ist zu erwarten, dass die Kooperationsmuster bei der Einbringung von Gesetzesinitiativen auch von elektoralen Anreizen beeinflusst werden. Das Projekt wird folgende Fragen behandeln: Inwiefern werden legislative Aktivitäten eingesetzt, um mit einem eigenen Profil Wählerstimmen zu gewinnen? Welche elektoralen Anreize gibt es für die Einbringung von Gesetzesinitiativen oder parlamentarischen Anfragen? Spielen Wahlkreisinteressen eine Rolle bei der Einbringung von Gesetzesinitiativen? Oder steht die Motivation im Vordergrund bestimmte Teile der Partei anzusprechen oder Netzwerke mit ähnlich gesinnten Abgeordneten zu knüpfen? Inwiefern beeinflussen elektorale Anreize die Bildung von Netzwerken zur Einbringung von Gesetzesinitiativen?

Datenart: Offizielle Dokumente und Datenbanken zum Stand der Gesetzgebung, Amtliche Statistik, Abgeordnetenbiographien
Geographischer Raum: Belgien, Deutschland, Frankreich

Projektleiter: Thomas Bräuninger
Mitarbeiter: Michael Stoffel
Finanzierung: MZES/Uni Mannheim
Laufzeit: 2012 bis 2015
Status:beendet

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Die politische Ökonomie der Außenpolitik in Europa

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) haben sowohl gemeinsame als auch konkurrierende Interessen im Bereich der Außenpolitik. Beispielsweise haben sich alle zum Ziel gesetzt die Sicherheit im eigenen Land zu garantieren und Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte in der Welt zu fördern. Die Zusammenarbeit auf EU-Ebene kann dabei helfen einzelnen Maßnahmen mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen und Kosten zu teilen. Andererseits sind die Mitgliedstaaten im Bereich der ökonomischen Außenpolitik auch Konkurrenten und benötigen hier einigen Handlungsspielraum. Als Wirtschafts-, Währungs- und Zollunion verwehrt die EU ihren Mitgliedern jedoch die Möglichkeit Währungspolitik, unterschiedliche Tarife gegenüber anderen Ländern, oder bilaterale Handelsverträge zu nutzen um solche Interessen zu verfolgen. Jedoch stehen den nationalen Regierungen auch bilaterale Investmentabkommen, Kredite und Entwicklungshilfe zur Verfügung, die sie sowohl bi- als auch multilateral einsetzen können. Das Projekt zielt darauf ab die strategische Wahl der EU Staaten in Bezug auf die Wahl der Außenpolitikinstrumente, als auch der Ebene, auf der sie angewendet werden näher zu untersuchen. Auf Basis von Theorien der internationalen Kooperation wird das Verhalten der Staaten formal-theoretisch modelliert. Im Anschluss testen wir die Vorhersagen des Modells für alle EU Staaten in einem empirischen Modell über die letzten zwanzig Jahre.

Datenart: Datensätze mit makroökonomischen Indikatoren, Daten zu europäischen Parteien und Regierungen, Umfragedaten
Geographischer Raum: die EU und ihre Mitgliedstaaten, Entwicklungsländer


Projektleiter: Thomas Bräuninger
Mitarbeiterinnen: Susanne Michalik, Laura Seelkopf
Laufzeit: 2012 bis 2013
Status: eingestellt

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Identitätskonstellationen, Politische Exklusion/Inklusion und Bewaffnete Innerstaatliche Konflikte

Ziel dieses Projektes ist es, den Zusammenhang zwischen Identitätskonstellationen, politischer Exklusion/Inklusion von Identitätsgruppen und dem Ausbruch bewaffneter innerstaatlicher Konflikte in Form von Bürgerkriegen und militärischen Putschen zu untersuchen. In einem ersten Schritt entwickelt das Projekt ein spieltheoretisches Modell zur politischen Exklusion und dem Gewaltverhalten von Identitätsgruppen. In einem zweiten Schritt testet das Projekt das spieltheoretische Modell mithilfe globaler, quantitativer Daten. Europäische Länder spielen eine wichtige Rolle bei der Ausarbeitung und empirischen Prüfung des theoretischen Arguments, da sich die meisten europäischen Länder durch die weitgehende Abwesenheit gewaltsamer Konflikte auszeichnen, während einige wenige Länder, wie Nordirland oder das ehemalige Jugoslawien, ernsthafte gewaltsame Identitätskonflikte erfahren haben. Die Ergebnisse des Projekts werden zeigen, ob die empirische Varianz im Konfliktverhalten europäischer Länder über die spezifischen Identitätskonstellationen und politischen Bedingungen in diesen Ländern erklärt werden kann.
Arbeitsstand: Der Fokus des Projektes lag 2011 auf der Datenaufbereitung und der Konstruktion unabhängiger Variablen, welche Identitätsgruppen im mehrdimensionalen Raum erfassen. Es wurden quantitative Analysen zum Einfluss dieser Variablen auf den Ausbruch von Bürgerkriegen durchgeführt. Erste Ergebnisse wurden auf der ISA Konferenz in Montréal, Kanada, und auf dem PRIO CSCW Workshop in Mannheim vorgestellt.

Datenart: Makrodaten zur Demographie, politischen Exklusion/Inklusion und dem Gewaltverhalten von Identitätsgruppen
Geographischer Raum: Global

Projektleiter: Thomas Bräuninger
Mitarbeiterin: Eva Bernauer
Finanzierung: CDSS/MZES
Laufzeit: 2009 bis 2013
Status: beendet

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Pork Barrel Politics in Deutschland

Ziel dieses Projektes ist es, die Auswirkungen gemischter Wahlsysteme auf das Verhalten von Abgeordneten bei der Planung und Umsetzung öffentlicher Projekte zu erklären. In bestehenden Studien wurde Verhalten dieser Art vor allem in reinen Typen von Mehrheitswahlsystemen - im Besonderen in den USA - und Verhältniswahlsystemen untersucht. Gemischten Wahlsystemen wurde hingegen bislang wenig Aufmerksamkeit zuteil. Jedoch befinden sich Abgeordnete gerade in diesen in einem besonderen Spannungsverhältnis zwischen Partei- und Wahlkreisarbeit, welches ein vielschichtigeres Verhaltensmuster impliziert. Um dieses Vorhaben umzusetzen, sind die folgenden drei Schritte geplant. Erstens soll ein spieltheoretisches Modell des Abgeordnetenverhaltens entwickelt werden. Dieses soll dann zweitens an realen Projektdaten überprüft werden. In einem dritten Schritt sollen dann - mithilfe von Interviews - genauere Erkenntnisse darüber gewonnen werden, auf welchen Wegen sich einzelne Abgeordnete in den Vergabeprozess einbringen können.

Datenart: Semi-strukturierte Interviews, Daten zu öffentlichen Bauprojekten, Daten aus Wahlen zum Deutschen Bundestag.
Geographischer Raum: Deutschland

Projektleiter: Thomas Bräuninger
Mitarbeiter: Michael Stoffel
Finanzierung: Studienstiftung des Deutschen Volkes
Laufzeit: 2010 bis 2012
Status: beendet

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Representation in Europe: Policy Congruence between Citizens and Elites (REPCONG)

Dieses international gemeinschaftliche Projekt basiert auf der Auffassung, dass es einen vernünftigen Grad an Deckungsgleichheit zwischen Bürgerwünschen und den Präferenzen derer, die gewählt wurden, um diese zu vertreten, geben sollte. Die Qualität der Repräsentation ist insofern wichtig, als sie die Wahrnehmung der Bürger und, allgemeiner, die Einstellung der Bürger zu repräsentativer Demokratie beeinflusst. Tatsächlich besteht eine Kongruenz der politischen Interessen von Bürgern und Eliten aus einer Vielzahl von Gründen nur teilweise. Volksvertreter können etwa von ihren Versprechungen abkehren, wenn eine Sanktion durch den Wähler unwahrscheinlich ist, Parteien haben einen Informationsvorteil und das Wesen von Parteienwettbewerb bei Wahlen kann den multidimensionalen Charakter von Bürger- und Parteipräferenzen verzerren. Das tatsächliche Ausmaß der Kongruenz der politischen Präferenzen von Bürgern und Eliten sowie die Entscheidungsgrößen und Implikationen auf nationaler wie europäischer Ebene sind weitestgehend unbekannt. Das Forschungsprojekt REPCONG untersucht insbesondere die bestimmenden Faktoren der politischen Kongruenz, den Einfluss politischer Institutionen und direkter Demokratie. Weiter wird untersucht, wie politische Kongruenz die Wahrnehmung von Volksvertretung, die Zufriedenheit mit Demokratie und auch die Einstellung zu einzelnen Organen wie nationalen Regierungen, Parlamenten und europäischen Institutionen beeinflusst. Die empirische Auswertung bedient sich vieler Datenquellen. Dabei dienen der European Social Survey (ESS) und die Comparative Study of Electoral Systems (CSES) als Quelle für Informationen zu individuellen politischen Präferenzen der Bürger und der individuellen Wahrnehmung von sowie der Einstellung zur Demokratie. Nationale Parteiprogramme und europäische Manifestos werden um die Ergebnisse aus einer Onlineumfrage unter Abgeordneten einzelner Länder und Mitgliedern des europäischen Parlaments erweitert und liefern Informationen zu den politischen Präferenzen von Parteien zum einen und Abgeordneten als Individuen zum anderen. Um der multivariaten Natur dieser Informationen (individuelle, parteipolitische und systemische Ebene) gerecht zu werden, werden Techniken der Mehrebenenanalyse angewandt.

Mehr Informationen finden Sie auf den Webseiten von REPCONG und Polidoc.

Datenart: Kombination von Individualdaten (vergleichende Umfragedaten) mit Merkmalen des politischen Systems und Parteimerkmalen. Zusätzlich werden Parteiprogramme gesammelt um damit Parteipositionen schätzen zu können (computergestützt).
Geographischer Raum: Europa.

Projektleiter: Thomas Bräuninger
Mitarbeiterin: Nathalie Giger
Finanzierung: DFG
Laufzeit: 2009 bis 2012
Status: beendet

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Vergleichende Gesetzgebung (VERGES)

Im Forschungsprojekt "Vergleichende Gesetzgebung" werden die institutionellen und parteipolitischen Determinanten von regulativer und fiskalischer Staatstätigkeit in parlamentarischen Demokratien erforscht. Zentrale Fragestellungen des Projektes befassen sich einerseits mit institutionellen und parteipolitischen, andererseits mit individuellen Einflüssen auf die Gesetzgebung. In parlamentarischen Demokratien wird die Regierung generell als der wichtigste Akteur im Hinblick auf die Politikgestaltung betrachtet. Dieses Projekt analysiert die Einflüsse formeller wie informeller Regeln der Agendakontrolle und politischer Konstellationen wie Regierungszusammensetzung, Stärke der Opposition oder programmatische Differenzen zwischen Akteuren auf den Erfolg von Gesetzesinitiativen und die Dauer des Gesetzgebungsprozesses. Es ist unbestritten, dass der Regierung in Sachen Gesetzgebung eine entscheidende Rolle zukommt. Dennoch hat eine Vielzahl (teils erfolgreicher) Gesetzentwürfe ihren Ursprung im Parlament. Es ist daher lohnenswert, den Fokus auf die (individuellen) Parlamentsakteure und ihr Agendasetzungsverhalten zu richten: In dem Projekt wird daher untersucht ob, und wenn ja wie spezifische Eigenschaften von Parlamentsmitgliedern (wie Dienstalter, Ämter im Parlament bzw. in der Fraktion oder von der Parteilinie abweichende Positionen) und sozio-ökonomische Wahlkreisfaktoren die gesetzgeberischen Aktivitäten von Abgeordneten beeinflussen. Gerade die Frage nach der Verbindung zum eigenen Wahlkreis ist eng gekoppelt mit der Frage, in welchem Ausmaß Abgeordnete auf die Belange ihrer Wähler reagieren. Im Rahmen des Projekts wurde eigens ein umfassender Datensatz erstellt, welcher Informationen zu allen Gesetzentwürfen zwischen 1987 und 2002 für die Länder Belgien, Frankreich, Deutschland und Großbritannien umfasst. Diese Informationen werden durch weitere politische, institutionelle und individuelle Daten komplettiert.

Datenart: Offizielle Dokumente und Datenbanken zum Stand der Gesetzgebung, Amtliche Statistik, Abgeordnetenbiographien
Geographischer Raum: Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien.

Projektleiter: Thomas Bräuninger
Mitarbeiter: Martin Brunner
Finanzierung: DFG
Laufzeit: 2005 bis 2011
Status: beendet

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Die Erklärung der Wahl von Entscheidungsvorgaben in internationalen Verhandlungssystemen

Im Projekt wird die Einrichtung formaler Entscheidungsregeln untersucht, mit der Vertragsstaaten die Bedingungen der zukünftigen Koordination und Beschränkung ihrer Handlungen in internationalen Verhandlungssystemen vornehmen. Im Gegensatz zu den unmittelbaren Konsequenzen, die aus einer vertraglichen Festlegung von direkten Kooperationsvereinbarungen folgen, verweisen Entscheidungsregeln auf mittelbare und damit unsichere Konsequenzen einer Zusammenarbeit. Ziel des Projektes ist die Formulierung eines Modells der Einrichtung und Änderung von formalen Entscheidungsregeln in internationalen Verhandlungssystemen sowie die Anwendung und Überprüfung des Modells am Fallbeispiel der Einrichtung der Internationalen Meeresbodenbehörde.

Datenart: Dokumente, amtliche Statistik
Geographischer Raum: UN-Staaten ("Welt")

Projektleiter: Franz Urban Pappi
Mitarbeiter: Thomas Bräuninger
Finanzierung: Land Baden-Württemberg/MZES
Laufzeit: 1997 bis 1999
Status: beendet